01.06.24 – Tag 168 Niagara
Die sechsten Vier Wochen
Ich stehe an den Niagara-Fällen. Wieder einer dieser Momente, die ich aber nicht mehr Bucketlist-Momente nennen möchte. Ich stehe hier an einem Ort und fühle, wie gesegnet ich bin, so eine Reise machen zu können. Es ist und bleibt für viele nicht mehr als ein Sehnsuchtsort.
Ich stehe aber auch hier und bemerke, dass ich inzwischen Dreiviertel um den Globus herum bin. Ich genieße den Moment auch ausgiebig. Denn dafür bin ich schließlich hier.
Ich wandere nachmittags in Ruhe an den Fällen entlang und genieße das angenehme Wetter und lasse Vieles Revue passieren und werde mir dessen bewusst, was ich mache: Ich bin auf Weltreise. Letzte Woche noch in Kolumbien, heute an den Niagara-Fällen und in einigen Tagen – in einer wieder ganz anderen Kultur und die Weltwunder warten nur darauf erkundet zu werden.
Zurück ins hier und jetzt: Natürlich durfte aber auch eine Fahrt mit der Maid of the Mist – zumindest mit den roten Plastiksäcken nicht fehlen. Ein tolles Erlebnis und gewiss die imposanteste Dusche der letzten Tage
Der Anblick dieser Fälle ist wunderschön und imposant. Ich vergleiche mit Iguacu. Ist ein Vergleich angebracht? Oder sollte ich einfach nur genießen? Zwei Fälle sind es (den dritten sieht man nicht von hier) und der eine ist schöner, der andere imposanter, zusammen ein Naturspektakel.
Das Örtchen hier an den Fällen ist der reinste Entertainment-Distrikt und ich spüre die starke kulturelle Nähe zu den USA. Aber ich genieße es vor allem und besuche die Brewery und breche dann doch noch einmal mit meinen vegetarischen Vorsätzen – und verfolge das Ende des CL-Finales.
Jeden Abend erstrahlen die Fälle in einer Lichtershow und schließlich gibt es ein Feuerwerk. Es fühlt sich etwas nach Abschied und Ende an. Gewissermaßen biege ich ja inzwischen auch auf die Zielgerade ein. Wieder einmal schießen etliche Gedanken durch den Kopf. Aber noch heißt es genießen, abschalten und eintauchen.
USA NYC
02.06.24 – Tag 169 Transfer/ NYC
The City. Ich bin in New York angekommen, der Stadt, die niemals schläft. Die Stadt, die bisher ungefragt den Platz #1 bei mir eingenommen hat. Kann sie es nach all den tollen Erlebnissen halten?
Um es vorweg zu nehmen: ich fühle mich direkt wieder wohl und ein wenig wie nach Hause gekommen. Ich kenne die Stadt schon und muss kein Touri-Programm abspulen. Ich will mir hier mein Update holen, was in den letzten 5,5 Jahren seit meinem letzten Besuch hinzukam.
Aber ganz vorne angefangen: zunächst bin ich noch zu Fuß in die USA gegangen, hatte ein paar Buffalo Wings (hoffentlich bald echt wieder veggie…) und bin dann ab zum Flieger.
Ich kam erst abends an und schlenderte erst einmal zum Times Square, um einen Hot Dog zu haben. Ja, die Preise…
Natürlich wollte ich Miss Liberty sehen, denn das gehört für mich zu einem Besuch in NYC dazu quer durch die Straßen am ESB und Portal vorbei kam ich im Battery Park an. OK, die Subway war dabei
Auf dem Rückweg steuerte ich die 230 Fifth an – ein Muss im Nightlife und „this View never gets old“. Definitiv nicht. Gegenüber ist übrigens ein genialer Vegan-Burger-Laden: PLNT Burger
Zurück ging es dann wieder über den Broadway am Times Square vorbei und hier und da noch ein kurzer Stopp NYC – you got me again.
03.06.24 – Tag 170 NYC
New York kenne ich schon, das wird eine entspannte Runde durch die City. Und wieder einmal: Denkste! 31.000 Schritte und meine Füße schmerzen wo und wie sie nur können. Aber es gibt ja auch immer genug zu sehen.
Angefangen habe ich mit einem Frühstück bei Pick A Bagel. Erst als ich dort war, war mir bewusst, dass ich genau dort schon einmal gefrühstückt habe. So komme ich doch in Wiederholungen rein. Aber es schmeckt ja auch ganz gut da.
Schließlich lief ich zur/zum Vessel rüber. Leider ist es noch immer gesperrt, aber ein paar Fotos lassen sich hier gut schießen. Da es direkt neben dem bzw. am Beginn des Highline-Parks liegt, bin ich diesen direkt gen Süden gelaufen, zumal mein nächstes Ziel Little Island war, das auch erst in den letzten 5 Jahren hinzukam.
Das One World Trade Center wirkt gar nicht so weit entfernt. Also lief ich dorthin. Occulus liegt auch direkt daneben und weiter ging es zur NYSE als ich schon einmal im Financial District angekommen bin. Ich wollte auf jeden Fall noch über die Brooklyn Bridge laufen, aber nicht ohne zumindest einmal Miss Liberty noch aus der Nähe gesehen zu haben. Also ab auf die Staten Island Ferry rüber und direkt wieder zurück. Dann kann zumindest endlich mal die Subway zum Einsatz und ich fuhr nach Brooklyn. Dort hatte ich noch einen kleinen Weg vor mir und ich besuchte noch die Washington Street, die Dank Instagram extrem überlaufen ist im Vergleich zu vor 5,5 Jahren. Aber dennoch schön hier in DUMBO. Aber dann ging es ab über die Brooklyn Bridge nach Manhattan.
Dort angekommen verschlug es mich wieder in die Multikulti-Viertel Chinatown und Little Italy. Ich wollte nichts essen, sondern nur einmal auch durch diese Viertel spazieren. In Little Italy kam ein wenig Dolce Vita-Flair auf und als ich Brot als Begleitung auf einem Tisch sah, war es dann doch um mich geschehen und ich musste was essen.
Zurück hätte ich ja die Bahn nehmen können… Ja… hätte… aber ich bin schließlich nicht in Man hätte, sondern Manhattan. Also lief ich den ganzen Weg zurück bis zur 55/8. Dumme Idee, denn dass ich dort Blasen bekomme, wo ich sie nun habe, hätte ich nicht gedacht. Na ja, morgen dann alles etwas ruhiger, ein Ticket ist für abends etwas gebucht und tagsüber wartet dann der Central Park auf mich – der natürlich auch riesig ist.
Tag 170/2 – In New York, concrete jungle where dreams are made of…
Warum ist New York dieses Mal anders und dennoch gleich für mich? Nun, mal abgesehen davon, dass ich es nun erstmalig solo bereise und in einem Kapselhotel nächtige gibt es dennoch so einige Unterschiede.
Diese hängen in erster Linie mit meinen vergangenen 168 Tagen vor New York zusammen. New York war immer meine Stadt Nummer 1, unangefochten und es erschien mir riesig, nicht greifbar, niemals „bezwingbar“.
New York ist nach wie vor gigantisch toll und es bietet so vieles. Dennoch fühle ich es dieses Mal anders. Es fühlt sich anders zu Hause an – im positiven Sinne. Tokyo war noch gigantischer und noch riesiger. Toronto war auch wunderschön und dennoch spaziert es es sich besser durch New York. Sydney hat tollen Flair und New York besticht anders.
New York erscheint mir nicht mehr so „unbezwingbar“ im Sinne seiner Ausmaße und Kultur. Ich habe sehr viel interkulturell gelernt und hier merke ich es wie an keinem anderen Ort auf dieser Welt, da ich „mit früher“ vergleichen kann. Die Nähe der Kultur macht vieles aus. Es war wie nach Hause zu kommen. Es wirkt vertraut. Und ich merke es in meinen Videos, die ich aufnehme, dass ich Guide in „meiner Stadt“ bin. Nein, ich kenne nicht alles, dafür ist the City viel zu groß. Aber „ich bin wieder hier…“
Now you’re in New York, these streets will make you feel brand-new. Ja, hier begreife ich, was ich in den Tagen meiner bisherigen Reise gelernt habe. Es ist anders. Es ist toll und es ist gut so.
04.06.24 – Tag 171 NYC
Welch ein verrückt geiler Tag mal wieder in the City. Es war wie das Erneuern des Eheversprechens. Ich liebe diese City
Angefangen ganz easy am Portal, das heute mal geöffnet hatte als ich dort aufschlug. Schöne Grüße nach Dublin nun war ich zumindest „live virtuell“ auch dort.
Ich wollte den Tag nur ganz ruhig im Central Park verbringen. Denn abends hatte ich noch ein Ticket und morgen heißt es um 5:30 aufstehen. Denkste!
Einige Stunden spazierte ich ganz gemütlich durch den Central Park, er ist riesig. Einige Spots wirken – wohl dank Insta und Co – im Vergleich zu vor 5 Jahren überlaufen. Ich genoss es dennoch und schloss das Erlebnis mit typischem NYC-Food ab. Hell yeah… in Deutschland nicht nur vegetarisch, ich sollte es mit strikt vegan aufholen.
Ein wenig Beine hochlegen und die Schmerzen regenerieren lassen. Nebenbei die Flugdaten für morgen checken. Moment… Ich muss gar nicht um 5:30 raus?
Das Ticket für heute Abend war für den One Vanderbilt Summit. Welch ein Erlebnis, ein echtes NYC-Must Do! Überall sphärische Musik und auf Level 1 Spiegel überall. Es wird einem fast schwindelig, wähnt man sich doch im freien Fall auf dem nächsten Level dann das Disneyland für Erwachsene mit den silbernen Luftballons und überall 360 Grad View auf die Skyline. Und wieder eine Plattform mit Glasboden; diese Angst hatte ich ja schon in KL auf dem Tower überwunden. Auf dem letzten Level, auf 330m, dann die Rooftop Terrace, wieder mit einem Rundum-Blick auf die Skyline und ich war pünktlich zum Sunset dort. Einfach nur ein Wow-Moment. Dazu genoss ich stilecht ein Cosmo.
Den Abend ließ ich mit einem Whiskey und Bier in einer Bar ausklingen. Thank you again, NYC! That was amazing!
05.06.24 – Tag 172 Transfer/ NYC/ Kairo
Es geht in die letzten drei Wochen. Und für mich geht es daher heute über den großen Teich. Ich werde mich auf bis zu rund 3.000km der Heimat annähern mit dem nächsten Stopp. Es wird ein weiterer – der letzte nicht-europäische – Kulturkreis auf meiner Reise um den Globus sein. Besonders ist dabei auch, dass ich ein Zwischenstopp in der EU haben werde und erstmalig seit dem Beginn wieder EU-Terrain zumindest kurzzeitig betreten werde.
Aufgrund der unglaublich weiten Distanz wird nicht nur der heutige Tag rein aus Transfer bestehen. Der Kulturkreis ist neu, aber der Kontinent schon bekannt. Es geht in den Orient nach Ägypten für mich. Dieses Land kenne ich bereits, jedoch noch nicht das Weltwunder schlechthin: Die Pyramiden von Gizeh.
Noch ein kurzer Blick zurück. New York hat mich wieder komplett in seinen Bann gezogen, auch oder gerade wegen der Erfahrung aus über 5 Monaten Vollzeitreise, wie ich bereits gestern geschrieben habe. Abends hatte ich dann noch die Möglichkeit in Bars zu gehen, die etwas abseits vom Times Square lagen und mich mit Locals zu connecten. Macht so etwas auch auf jeden Fall und geht nicht nur die kompletten Touri-Spots an. Wie steht es überall geschrieben…? I NY.
So warf ich während meiner Uber-Fahrt (Subway ginge mit meinen Füßen gar nicht ) einen letzten sehnsüchtigen Blick auf die Skyline und sitze nun mal wieder in einer der Lounges. Es wird – hoffentlich – nichts großartiges mehr sein heute.
Kairo
06.06.24 – Tag 173 Kairo
Ein schier endloser Tag geht zu Ende. Im Grunde saß ich fast nur im Flieger, außer ein paar Stunden am Flughafen in Rom. Der Flughafen selbst ist alles andere als mein Favorit.
Beim Landeanflug waren die Pyramiden schon zu sehen. Sie stechen direkt ins Auge. Ab da begann dann endlich das Highlight für heute.
Gegen frühen Abend war ich dann endlich in Kairo angekommen. Der Fahrer war sofort da. Die rund einstündige Fahrt führte an Alt-Kairo vorbei. Sehr pittoresk.
Schliesslich kam ich im Hotel an. Mein Zimmer hat einen top Blick auf die Pyramiden. Besser ist dieser nur noch von der Rooftop Terrasse. Es ist verrückt, vorgestern erst noch die Skyline von NYC im Sonnenuntergang gesehen, heute die Pyramiden.
Jetlag und kaputte Füße lassen mich fast schon im Sitzen im Restaurant einschlafen. Daher fasse ich mich heute auch nur kurz. Morgen will ich die Pyramiden selbst schließlich erkunden. Und dazu heißt es früh aufstehen.
07.06.24 – Tag 174 Kairo
Die letzten drei Wochen
Achtung Kontrast und Pyramiden-Spam heute haben exakt die letzten drei Wochen begonnen und es wartete ein absolutes Highlight. Wie schon gestern zu sehen war, stand heute das Areal der Pyramiden von Gizeh auf dem Programm, das letzte erhaltene antike Weltwunder.
Das Areal lässt sich gut zu Fuß ablaufen in rund 2 Stunden Hin- und Rückweg auf fast ebener Strecke ist es wortwörtlich easy going. Es gibt verschiedene Tickets und aufgrund meiner aktuellen Verfassung habe ich nur das Areal-Ticket genommen. Die Füße schmerzen und ich fühle mich etwas angeschlagen. Aber auch kein Wunder bei diesem klimatischen Wechsel, 8h Timeshift und ständige AC.
Das Areal ist nicht nur gut zu erkunden, sondern wohl auch the „most scamiest place on earth“. Ignorieren lässt sie einen für 10-15s verfolgen. Man kauft Wasser und schon sollen Fotos gemacht werden. Ein Security lässt einen durch den Exit rein und hält die Hand auf. Ein Polizist wünscht einen guten Tag und macht von einem Touri-Fotos – eines dieser packe ich mal mit rein, ich mag sie nicht. Man weiß es vorher, wie es hier zugeht mich schreckt es nicht mehr ab, ignorieren kann ich
Die Pyramiden selbst sind imposant. Und natürlich stellt sich mir auch die Frage, wie diese vor fast 5.000 Jahren erbaut wurden. Alleine die Cheops-Pyramide wurde aus rund 3 Millionen Blöcken gebaut. Die Außenverkleidung existiert schon ewig nicht mehr. Aber es lässt nichts von der Faszination dieser Bauten einbüßen.
Das Areal ist sehr weitläufig und wenn man will, kann man querfeldein durch die Wüste spazieren. Gesagt, getan und die Sonne brannte herunter. Mein Wasserbedarf war alleine in diesen rund 2h bei 2l. Wäre beim Auto ja sparsam
Meine Nikon gab noch ein paar letzte Lebenszeichen von sich. Daher gibt’s heute einen Mix aus insgesamt drei Kameras.
Heute ist nur noch ausruhen angesagt, Dachterrasse noch etwas essen, wo ich heute schon mit tollem Ausblick gefrühstückt habe. Morgen geht um 9 der Flieger – super Idee gewesen bei der Buchung… um 5 klingelt daher der Wecker morgen früh.
Jordanien
08.06.24 – Tag 175 Transfer/ Amman
90%
90% sind rum… Ich dachte, ich könnte nicht mehr überrascht werden. Aber heute war dann doch noch wieder einmal einer dieser Tage. Recht spontan hatte ich vor wenigen Tagen einen Fahrer und Guide für Amman ausfindig gemacht und gebucht. Alles per Handschlag über FB Messenger statt über zu klickende AGBs etc.
Der Tag begann um 4:55 Uhr mit dem Wecker. Wie nervig… völlig übermüdet bin ich zum Flughafen in Kairo gefahren bzw habe mich fahren lassen. Ein kurzer Besuch in der Lounge. Für heute stand eine Foodtour in Amman an.
Am Flughafen in Amman erwartete mich Sami. Ich schrieb mit ihm schon auf Deutsch. Wie sich herausstellte, wuchs er in Deutschland auf und kam erst vor wenigen Jahren hierher. Er hat palestinensische Wurzeln und spricht perfekt arabisch.
Zunächst ging es gemeinsam zum Hotel. Sehr gut, wie sich später zeigte. Das Zimmer war noch nicht fertig, also Sack und pack mitgenommen – auch sehr gut, wie sich ebenfalls später zeigte.
Ein erster Stopp war ein traditionelles Frühstück, dort wo sich auch der König gelegentlich blicken lässt. Hummus schmeckt extrem gut hier aber es war viel zu viel, aber recht günstig. Der nächste Kontrast waren die Gewürze im Vergleich zu NYC, wie ich aber auch schon gestern in Kairo feststellte. Gut, dass ich meine Sachen inklusive Imodium dabei hatte…
Weiter ging es durch die Innenstadt und Geschichten über seine Familie. Es war wie mit einem Kumpel durch die Stadt zu fahren. Ich erfuhr viel. Als er jedoch von meinem Mietwagen in den kommenden Tagen erfuhr, hat er mit mir nach einer besseren Option gesucht. Und wir haben sie gefunden. Ebenso eine der noch folgenden Unterkünfte und Touren. Und nein: es waren keine Geschäfte mit den best buddies
Die Foodtour ging weiter mit einem original arabischen Kaffee und einer extrem leckeren Süßspeise. Schließlich fuhren wir durch das Viertel mit den Flüchtlingen. Alleine wäre es nicht möglich gewesen, aber seine Familie ist hier noch immer groß vertreten und so konnte ich auch noch einmal diese Erfahrung hautnah und vor allem sicher erleben. Es ist anders als man es sich vorstellt und als ich es aus Deutschland kenne, ein mehr oder weniger autarkes Viertel mit Schulen unter der UN-Flagge. Ein leckeres Eis gab es dort auch noch. Diesen Ort hätte ich niemals ohne ihn kennengelernt.
Auch weitere Sehenswürdigkeiten gab es zu sehen. Alleine oder via Touri-Bus hätte ich auch diese Erfahrung niemals gemacht. Morgen steht die eigentlich große Tour an. Heute falle ich nur noch müde ins Bett.
Angekommen im Hotel wurde mir dann offenbart, dass es ein gratis Upgrade auf eine Suite gibt. Muttersprache ist alles: Um Menschen zu verstehen, ist es hilfreich sie zu verstehen.
09.06.24 – Tag 176 Amman, Jerash-Tour
Heute wurde es stark kulturell. Wieder mit Sami unterwegs und ab zu den nahegelegenen Zielen Jerash und Ajloun Castle.
Jerash ist eine riesige archäologische Stätte. Selbst ich brauchte zwei Stunden durch alles hindurch vom Hippodrom und den Amphitheatern zu den Kirchen und Tempeln von Gate zu Gate und zurück. Es gibt etliche Fotomotive und ich hätte es locker noch weiter ausdehnen können. Diese Säulen sehen auch einfach zu beeindruckend aus und sind sie doch ein Zeuge vergangener Kulturen.
In Amman selbst warteten die bekanntesten Sehenswürdigkeiten, das Amphitheater und die Zitadelle darauf, von mir erkundet zu werden. Auch hier gab es wieder etliche Fotomotive. Wow, Amman bietet eine Menge und ich wollte es ursprünglich skippen. Auch überraschend: Schon auf der Fahrt war ich überrascht, wie grün Jordanien ist trotz Trockenzeit.
Natürlich durfte auch das traditionelle Essen heute nicht fehlen – sowohl zum Mittag als auch zum Abend. Und ein Bier zum Abschluss natürlich auch noch. Im richtigen Viertel ist Amman extrem westlich. Man muss nur wissen, wohin man gehen kann bzw. dann eben auch muss.
10.06.24 – Tag 177 Sweimeh
Und wieder wird es kontrastreich. Heute ging die Fahrt ans tote Meer. Der Weg führte mich am Mount Nebo vorbei.
Der Mietwagen wurde heute abgeholt. Es geht für einige Tage wieder in den Roadtrip-Modus.
Der Mount Nebo ist – die Religionsbewanderten unter Euch werden es wohl wissen – der Ort, an dem Moses der Legende nach das gelobte Land gesehen hat. Der Ort selbst ist nicht sehr groß. Aber man spürt hier die Kultur. Eine große Kirche steht auf den Gipfel und der Blick herunter ist einfach atemberaubend. Gut, dass ich den Hinweis von Sami bekommen habe, die Strecke hier entlang zu nehmen.
Am Toten Meer angekommen weisen diverse Hinweisschilder auf die Höhenmeter hin: 401m – unter dem Meeresspiegel. Das Ufer liegt sogar auf -413m. Ich nächtige im Hilton, denn leider ist der Klimawandel dafür zuständig, dass nur noch wenige Hotels Meereszugang haben. Hoher Besuch scheint hier zu sein, wichtige Nummernschilder und ich wurde ex ante auf wichtigen Besuch und Ausweisung im Vorhinein hingewiesen. Mein gebuchtes Zimmer war dann vermutlich auch schon weg. So gab es ein gratis Upgrade auf eine Suite. Zu viel Luxus für einen Backpacker?
Der Strand am toten Meer war fast komplett leer. So habe ich fast alleine mein Schlammbad genießen können und floatete noch ein wenig auf dem Salzwasser. Einfach ein Wow-Moment mal wieder. Der hohe Salzgehalt brennt in den Augen – oder doch der Schlamm? – und zudem ist es unerträglich heiß. So habe ich noch den Strand kurz genossen und bin dann an die Poolbar gegangen.
Dort habe ich einen Snack genossen und konnte das gegenüberliegende Ufer sehen. Google bestätigte, was ich dort sehen konnte. Es ist das Westjordanland. Einen kurzen Moment hielt ich inne, dachte an die Momente der letzten Tage und fragte mich selbst, ob es zu dekadent ist.
Ich kam wieder zurück ins hier und jetzt. Ich genoss trotz aller Gedanken den Ausblick und ging dann aufs Zimmer. Die freistehende Badewanne mit Blick aufs tote Meer wollte ich nicht ungenutzt lassen.
Später gibt es bestimmt noch einen tollen Sonnenuntergang über dem Ufer des toten Meeres. Den möchte ich mir definitiv nicht entgehen lassen und noch ein gemütliches Dinner haben. Der größte Luxus – unweit der Tragödien dieser Zeit. Zwiespältige Gedanken schicken mich in den Abend.
11.06.24 – Tag 178 Fahrt nach Petra
Auf nach Petra! Eine mehrstündige Fahrt über den Kings Highway lag heute vor mir.
Da mir das Hilton so toll gefiel, habe ich einen Late Checkout angefragt. Leider war er nicht verfügbar, aber eine weitere Stunde bis 13 Uhr gönnte man und ich mir. Nach dem Frühstück wurde ich dann auf allen möglichen Kanälen darüber informiert, dass der Royal Service mein Auto kurzfristig umgeparkt wissen will. Der König oder jemand aus seinem nahen Umfeld ist zugegen, was an den Kennzeichen schon auffiel, sowie an der ex ante Identifizierung per Ausweis-Scan. Staatsbesuch schien heute auch da gewesen zu sein – Limousinen mit unterschiedlichsten Flaggen rollten an, dazu einige „CD“s. Das Hilton selbst wusste keine Antwort wohin mit meinem Auto. Da war es einfach mit dem Schlüssel: bitte, löst das Problem, ich bin am Pool, wenn ihr mich braucht auch ich bin schließlich Gast.
Zum Checkout hatte ich mein Auto dann und wollte das Navi im Handy noch einstellen mit WLAN vom Hotel. Das mochten die Militärs nicht so sehr, als Ausländer mit einem elektronischen Sender vor dem Eingang rumzutippen. Irgendwie ja verständlich, denn hier bin ich der Exot, der wohl irgendwie direkt zu beobachten ist. Also habe ich zügig die Fahrt angetreten durch etliche Militärspaliere.
Die Fahrt führte mich an der Küste des toten Meeres entlang. Einfach nur pittoresk der Salzstrand war dann schließlich noch der Höhepunkt der Fahrt. Welche eine skurrile Landschaft. Lauter Salzkristalle und Salzbrocken säumten den Strand bzw bildeten ihn überhaupt erst. Das Wasser ist kristallklar. Allerdings war die Temperatur bereits bei 41 Grad. Völlig verschwitzt ging es dann weiter. Der nächste Stopp war die Salzstatue der Frau des Propheten Lot. Ein nur kurzer Fotostopp für mich.
Es ging ab in die Berge. Die Landschaft wurde felsiger und surrealer. Hier und da gab es tolle Aussichten. Einfach nur Wow mal wieder.
Schließlich kam ich in Wadi Musa an, dem Tor zu Petra. Als erstes suchte ich eine Apotheke auf. Mein Hals und Wohlbefinden verlangen nach rund 10 Tagen nun die Chemiekeule Antibiotikum. Ich ging dann nur noch kurz etwas essen und das war’s dann für heute. Morgen wird es sehr anstrengend.
Hier im Ort ist es sehr ursprünglich. Hier bin ich der Fremde, der Ausländer. Auch wenn Arabisch für Nichtversteher wie mich unfreundlich und hart klingt, sind es die Menschen ganz und gar nicht. Auf Englisch klingt es dann ganz freundlich, wenn sie mich ansprechen: „where are you from?“ „welcome“. Die orientalische Kultur ist anders und ich merke, dass sie vielleicht eine der unterschiedlichsten ist. Und gerade deshalb sollten wir uns alle viel mehr in Toleranz üben.
Vom gestrigen Sonnenuntergang über dem Toten Meer hier noch ein paar Bilder zusätzlich.
12.06.24 – Tag 179 Petra
Die Felsenstadt Petra habe ich heute erkundet. Sie ist eines der sieben Weltwunder der Neuzeit. Fast alle habe ich inzwischen gesehen (Felsenstadt Petra heute, Chinesische Mauer fehlt noch, Chichen Itza im April, Cristo Redentor bereits 1999, Kolosseum in Rom folgt noch, Machu Picchu Silvester 2019, Taj Mahal Weihnachten 2023). Zurück zum heutigen Highlight.
Petra ist eine antike Stadt der Nabatäer und wurde vor bereits rund 2500 Jahren erbaut und wurde erst 1812 wieder entdeckt. Vor rund 2.000 Jahren lebten hier schätzungsweise rund 20.000 Menschen. Einige der antiken Straßen sind sogar auch noch erhalten.
Eine sehr beeindruckende und weitläufige Anlage. Ich ging heute durch den engen Canyon, den Siq. Er endet am berühmten Schatzhaus. Dort verweilte ich ein wenig und genoss es, bei einem Kaffee dort zu sein. Weiter ging die Wanderung über den Trail zum Basin. Der Al-Khubta-Trail war leider geschlossen. Er hätte zum bekannten Viewpoint über dem Schatzhaus geführt. Schade…
Also lief ich den Trail bis zum Monastery. Es sollen rund 800 Stufen sein. Mit der Erfahrung des La Piedra in Guatapé ließ ich es sehr langsam angehen und holte mir hier und da ein Wasser. Es ist definitiv notwendig. Viele Fliegen sind ebenfalls nervig und ich war so heldenhaft, um 12 am Monastery zu sein. Die Sonne stand senkrecht, kein Schatten säumte den Rückweg. Also ganz langsam alles, immerhin nehme ich ja grad Antibiotikum…
Aber alles gut. Zurück am Visitor Center holte ich mir noch mein Ticket für Petra by night, sicherlich auch ein echtes Highlight. Morgen kann ich alles ganz entspannt mit einer zweiten Runde dort angehen lassen. Übrigens lohnt spätestens jetzt der Jordan Pass, der die Gebühren für das Visum erlässt und etliche Eintritte beinhaltet, so auch Petra für 3 Tage.
Ach ja, es gibt wieder Bilder von der Nikon, daher ein bunter Mix aus drei Kameras. Die Bilder von heute Abend dann direkt in der Story und sonst morgen im Posting 😎
13.06.24 – Tag 180 Petra
Die letzten zwei Wochen brechen an. VOR zwei Wochen war ich noch in Toronto – gefühlt war das gestern…
Petra by Night war gestern wirklich klasse. Ich war auf dem Hinweg irgendwie schneller als der Rest und ging somit quasi alleine durch den Siq bei Dunkelheit – war ein Erlebnis. Das Event selbst war mit traditioneller Musik und wechselnder Beleuchtung des Treasurys. Auch zwei Minuten Innehalten wurden uns gegönnt. Da ich eh auf einer Matte – bzw. halb im Wüstensand – lag, war das eine super Gelegenheit, mal wieder den Sternenhimmel zu sehen.
Heute wollte ich die bekannten Viewpoints auf das Schatzhaus erklimmen. Leider kam es nicht dazu. Ein Viewpoint ist dauerhaft geschlossen. Und den anderen hatte ich selbst abgebrochen. Ich bin wegen des Antibiotikums bzw des Infekts nicht komplett auf der Höhe, dazu war der Trail mit wenig Schatten und ging recht steil nach oben. Es machte mich auch stutzig, dass kein Guide irgendwas anbot und man unten am Schatzhaus auch niemanden irgendwo oben sah. Daher entschloss ich mich dazu, den Trail frühzeitig abzubrechen. So wanderte ich noch einmal ebenerdig über den Main Trail. Auch das ist ja ein Erlebnis für sich und die Hitze sorgte für genug Anstrengung.
Zurück in der Unterkunft fragte mich mein Host, ob ich schon was gegessen habe. Er würde sonst etwas traditionell Arabisches zubereiten. Das verneinte ich nicht. Der Reis war mal wieder extrem lecker, aber auch die Zwiebeln ChatGPT meint, es sei – Mandi bzw. Kabsa. Lecker auf jeden Fall.
14.06.24 – Tag 181 Wadi Rum
Die letzten zwei Wochen
Wadi Rum stand auf dem Plan. Und es hat beeindruckt. Es war einfach umwerfend.
Zunächst aber etwas negatives von dem Tag, damit ich das posting positiv schließen kann. Das Camp (Jalam) ist eine reine Abzockveranstaltung der Sonderklasse. Was dort gestern gemacht wurde, sucht seinesgleichen: mich das doppelte bezahlen lassen, keine Leistungen wie gebucht erbringen und letztlich mit Hass auf Beschwerden reagieren („shut up, I hate you“). Ich will es auch dabei belassen, denn einerseits wird die ausführliche Version dazu bei tripadvisor kommen – wie zu jeder Unterkunft – und andererseits hat die Tourist Police den Fall zu meinen Gunsten geklärt und sich in aller Form für den unmöglichen Vorfall entschuldigt.
Wadi Rum ist eine Wüste mit bizarrer Landschaft und hier wurden Filme wir der Marsianer etc. gedreht. Das ist definitiv wenig verwunderlich. Die Landschaft ist einfach unglaublich. Unendliche Weiten, schroffe surreale Felsformationen und roter feinster Wüstensand dazu unglaubliche Hitze von deutlich über 40 Grad. An jedem Stopp konnte gratus Bedouinen-Tee genossen werden. Es war ein unglaubliches Erlebnis 😍 auch die Runde war wieder international und top 👍
Den Sunset haben wir natürlich auch in der Wüste genossen. Auch das wieder einer der schönsten, die ich genießen durfte. Zurück im Camp gab es noch traditionelles Essen, das im Erdofen zubereitet wurde und wir tanzten um das Lagerfeuer. Ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis – leider mit einem deutlichen Makel.
Wadi Rum war das letzte außereuropäische Highlight meiner Weltreise. Morgen geht es zurück nach Amman. Dort dann wieder besseres Netz und noch einmal gemütlicher alles.
15.06.24 – Tag 182 Amman
Rund 4 Stunden Fahrt, die aber dank Fahrgemeinschaft heute wie im Flug vergingen 😎 es ging zurück nach Amman. Ein erneuter Stop am Orient-Express war natürlich obligatorisch. Mit der Abgabe des Mietwagens endete auch der letzte Roadtrip während der Weltreise.
Die Nacht hätte länger sein können. Dank der Vorfälle im Camp wurde ich auf wenige Stunden limitiert. Schwamm drüber… in Amman erwartete uns wieder Samer Suleiman und wir genossen noch einmal traditionelles Essen – morgen ist Eid und da muss man auf jeden Fall traditionell essen 😎
Abschließend besichtigte ich noch einmal die lokalen Märkte und konnte definitiv beim Dattelsaft, Datteln selbst und ein wenig Süßkram nicht widerstehen 😎
Den Abend werden wir noch einmal gemütlich ausklingen lassen. Meine letzten 24 Stunden außerhalb Europas haben bereits begonnen – krass…
Athen
16.06.24 – Tag 183 Transfer/ Athen
Zurück in Europa
Zurück in Europa nach 50% eines Jahres. Um 12:32 war es so weit, ich betrat wieder europäischen Boden und dank Schengen war ich um 12:43 dann auch wieder „immigriert“ – easy.
Nach einem kurzen Aufladen des Handy-Akkus und Umziehen machte ich mich auf den Weg, die nähere Umgebung zu erkunden. Griechisch essen sollte es sein. Ich fand ein gutes Lokal, allerdings mit unglaublich riesigen Portionen. Aber es war ganz lecker.
Danach machte ich mich auf und suchte die Möglichkeit, eine andere europäische Tradition zu verfolgen: EM gucken. Zwar nicht sofort, aber immerhin zeitnah fand ich dann auch was und konnte mein erstes Spiel dieses Turniers verfolgen. War auch mal wieder ganz nett.
Zudem habe ich heute jemanden in Rente geschickt. Der Reisepass fällt nun völlig auseinander – OK, von mal zu mal sieht er einfach schlimmer aus. Den brauche ich nun nicht mehr, da ich nur noch Intra-Schengen-Flüge haben werde.
Bezüglich der Kultur fällt mir eine Menge auf. Europa ist anders. Und mit 6 Monaten Abstand verstehe ich die Heimat nun auch besser. Aber ein Fazit kommt noch, aber noch nicht heute.
17.06.24 – Tag 184 Athen
Nur noch zehn Tage. Heute stand eine ganz besondere UNESCO-Stätte an. Die Akropolis sowie das antike Athen wollten erkundet werden. Also machte ich mich direkt früh auf den Weg, um direkt um 8 Uhr mit reinzugehen.
Der Blick von der Akropolis über Athen gibt einen Eindruck von der Größe Athens und lässt auch schon die weiteren antiken Stätten meines Kombi-Tickets sowie das Panathinaiko-Stadion erkennen. Die Akropolis selbst ist maßlos überlaufen. Man hat den Eindruck, dass alle Touris und ganz Athen dort hochläuft. Zudem war leider ein Baugerüst aufgebaut – nicht nur dort…
Die übrigen Stätten sind weniger überlaufen. Das ist gut so und lässt einen die Antike etwas besser genießen und erleben. Etwas voller war es dann erst wieder in den Restaurants auch in Monastiraki, dem Viertel am Fuße der Akropolis war es wieder voller. Dort aß ich wieder traditionell griechisch. Vegetarisch habe ich nun definitiv auf „zurück zu Hause“ geschoben.
Interessant war auch noch das Panathinaiko-Sadion. Hier fanden 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Es ist nicht im Kombi-Ticket inkludiert, aber für mich als Sport-Fan ein Muss. Dank der Hitze bin ich aber keine Runde gelaufen, doch lieber nur spaziert
Durch Zufall war ich auch um 12:00 am Parlament und konnte die Wachablösung anschauen. Ein kleines Schauspiel für sich.
Heute konnte ich alle Top Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß erkunden. Es geht erstaunlich gut fußläufig. So kann ich mir für die kommenden zwei Tage hier in Ruhe etwas überlegen oder einfach ein wenig den Vibe aufsaugen.
18.06.24 – Tag 185 Athen
95%; 6 Monate -> Zeitkapsel?
18.12.23, genau an diesem Tag vor genau 6 Monaten startete meine Weltreise. Ich bin also exakt 6 Monate heute unterwegs.
Ich ließ den Tag ganz ruhig angehen und kaufte mir ein 48h-Hop on Hop off-Ticket. Ich fuhr damit durch Piräus und schließlich zum Vouliagmeni Beach. Der Strand kostet 10€ Eintritt. Warum macht man sowas in Europa?
Es ist ein Kiesstrand und leider komplett von Touris überlaufen. Ich genoss es dennoch, ein wenig auf und ab zu laufen und meine Füße ein letztes Mal in das Meer zu halten. Nach Pazifik und Co war es heute das Mittelmeer.
Ich habe mir noch einmal traditionelles Essen gegönnt und fuhr dann zum Spätnachmittag wieder in die Unterkunft. Hier angekommen habe ich ein besonderes Video aufgenommen. Ihr dürft gespannt sein, was da kommt
Heute werde ich sonst nur noch Fußball gucken nachher und dann passt es. Heute habe ich ausgeschlafen. Und so werde ich es auch morgen wieder halten
19.06.24 – Tag 186 Athen
Mein letzter voller Tag in Athen. Ich habe ihn ganz ruhig angehen lassen.
Zunächst habe ich mich ausgeschlafen. Das Tempo der letzten Tage, aber auch der letzten sechs Monate ist durchaus spürbar. Vielleicht kommt auch schon ein wenig so etwas wie Heimkehr-Stimmung auf.
Ich nutzte heute noch einmal mein Hop on Hop off-Ticket und machte eine Rundfahrt durch Athen. Die angefahrenen Orte kannte ich alle noch von meinem ersten Tag hier. Auch mal schön, diese im Vorbeifahren mit Geschichten dazu zu passieren.
In Monastiraki bummelte ich schließlich ein wenig durch die Gassen und aß noch einmal traditionell – heute dann endlich auch mal vegetarisch. Zu Fuß lief ich dann zur Unterkunft zurück. Während des Weges gab mein Handy zweimal Katastrophenalarm, der schrille Ton war überall zu hören. Waldbrände brachen aus, unter anderem in der Gegend, wo ich gestern erst war. Die Hitze ist so schon stark spürbar.
Ist das der Klimawandel? Kommen die Brände sonst später? Ich weiß es aktuell nicht, verbringe den Nachmittag aber in der gekühlten Unterkunft, um der Hitze zu entfliehen.
Heute Abend werde ich mich vermutlich ein wenig wie in der Heimat fühlen. Das EM-Spiel unserer Jungs werde ich wieder in der Sports Bar schauen und deutsche Trikots liefen jetzt schon etliche rum. Findet die EM hier statt…? Na ja, komische Angewohnheit
Rom
20.06.24 – Tag 187 Transfer/ Rom
Sono nella città eterna, a Roma. Ich bin in der ewigen Stadt. Und damit wieder in der gleichen Zeitzone wie die Heimat und nur noch rund 1.000km entfernt.
Der Tag war mal wieder verrückt. Gestern Abend hatte ich die Wahl, ob ich heute den Flug um 19:00 circa ab Athen nehme. Dann wäre ich definitiv nicht zum Spiel hier gewesen. Oder ob ich nochmal den gleichen Preis zahle und dann aber mittags schon hier bin. Da ich auch nicht 6 Stunden am Flughafen rumsitzen wollte, griff ich nochmals in die Tasche – das erste mal heute.
In der Unterkunft dann angekommen, traf mich der Schlag. Das Zimmer hat gar nichts mit den Bildern auf booking zu tun. In einschlägigen Portalen würde man es Fake Account nennen, der zweite Blick machte es nicht besser: überall Staub und Schimmel. Das angesprochen an der Rezeption brachte nur einen Lacher. Ich ging essen und wollte zu meiner Rückkehr eine Lösung haben. Zurück nach dem Essen gab es wieder nur einen Lacher. Was soll ich sagen… die Polizei hat auch hier wieder meine Ansicht bestätigt und booking verhandelt über das Geld, da ich definitiv nicht in solchen Zuständen schlafe. Wenn der Gast nicht König, sondern Bettler ist… Danke, Next.
Zum Positiven: ich hatte endlich mein authentisches Italian Food. Wieder einmal eine Pizza Buffalina. Die in Cartagena war klasse, aber diese hier… halt italienisch natürlich dürfen dann auch der Espresso und das Tiramisu nicht fehlen.
Heute geht’s noch in die nahegelegene Sports Bar, EM gucken – zumal ja auch Italien spielt. Morgen dann wieder auf die Spuren großer Kulturen. Da wird das Lateiner-Herz höher schlagen und auf jeden Fall verspricht es, vier Tage lang richtig gutes Essen zu werden. Aber eben nicht günstig…
21.06.24 – Tag 188 Rom
Die letzte Woche
Fast 25.000 Schritte waren es heute wieder. Ich erkundete den Großteil der Touri-Spots in Rom, lief zu Fuß in ein weiteres Land und besichtigte das letzte Weltwunder meiner Reise.
Den Morgen begann ich am Trevi-Brunnen und genoss dann einen Cappuccino mit italienischem Gebäck. Am Brunnen selbst war eine Absperrung und massenhaft Touristen unterwegs – ich war einer von ihnen.
Bereits hier sind mir ein paar negative Punkte aufgefallen: Es wird gedrängelt und gerempelt, was das Zeug hält und Autos sind wenig rücksichtsvoll – zwei haben mich leicht berührt. Ist das Rom? Ist das Italien? Ist das Europa? Bin ich das? Ich weiß es nicht, in Japan hätte es so etwas nicht gegeben. Insgesamt wirkt Rom wie Paris nicht sehr sauber. Auch hier finde ich es sehr schade, es könnte so schön sein.
Ich spazierte weiter und erreichte das 21. Land meiner Weltreise und mein insgesamt 58. Ich lief in den Vatikan und besichtigte den Petersdom zunächst von außen. Auch hier wieder endlose Massen an Touristen und sehr viel Deutsch ist zu hören. Es ist Juni – ich bin einer von ihnen.
Aus dem Vatikan heraus schlenderte ich zum Kolosseum, dafür hatte ich bereits mein Ticket. Ich machte einen Zwischenstopp und genoss herrliche Pasta
Das Kolosseum wirkt von außen mächtig und beeindruckend. Und ruft man sich die Geschichte in Erinnerung, ergreift einen die Ehrfurcht. Von innen wirkt es nicht ganz so schön, leider ist es komplett überlaufen und die Beschilderung wirkte nicht nur auf mich überraschend.
Das Ticket gilt auch für das Forum Romanum. Eine nicht zu große, aber dennoch weitläufige Anlage, die auch ruhige Ecken und immer wieder Aussichtspunkte bietet. Die Hitze drückte. Mein letzter Stopp war dann schließlich der Circus Maximus. Hier gibt es nicht all zu viel zu bestaunen. Daher spazierte ich wieder zurück und machte mich frisch.
Auf jeden Fall werde ich heute noch was leckeres zu essen suchen – ist hier nicht schwierig. Und dann schaue ich mal, wo ich EM gucken kann. Vielleicht wieder wie gestern, vielleicht zieht es mich auch in eine andere Bar.
22.06.24 – Tag 189 Rom
Es war wieder ein Tag mit viel Strecke. Insgesamt lief ich rund 31.000 Schritte und habe mich sogar noch zwei Stunden am Nachmittag nur ausgeruht.
Morgens ging es direkt zum Pantheon. Ein beeindruckender Kuppelbau, unter dessen Rundung Vögel ihre Kreise ziehen. Von außen wirkt es eher wie ein riesiger Bunker. Von innen ist es dann ein Prunkstück.
Ich spazierte dann zu Romulus und Remus. Eine wahrlich sehr kleine Statue. Und dabei kann wahrscheinlich jeder den Merkspruch zum Gründungsjahr Roms spontan aufsagen, ich hab’s als Video direkt gemacht
Da heute die Sonne statt Sahara-Staub dominierte, ging ich von dort nochmals zum nahegelegenen Kolosseum. Es sieht einfach schöner mit blauem Himmel aus
Quer durch die Stadt machte ich mich auf den Weg zur spanischen Treppe. Viel los und es sieht schon schön hier aus. Aber ich nutzte es nur als Zwischenstopp und ging weiter zur Villa Borghese. Hier fand ich ein wenig Natur und Ruhe vom Stress der Großstadt. Es war schön.
Nach leckerem Mittag ruhte ich mich im Hotel ein wenig aus. Zumal ja auch die Sonne ziemlich intensiv war.
Für spätnachmittags bzw abends hatte ich dann mein Ticket für die vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle. Eine beeindruckende Sammlung an mehr und/oder weniger rechtmäßig erworbenen Kulturgütern ist hier zu sehen. Der Höhepunkt ist der Besuch der Sixtinischen Kapelle. Bilder gibt es hiervon keine, es ist verboten, darin zu fotografieren und zu filmen.
So lasse ich den Tag ausklingen und freue mich auf morgen. Da kann ich in aller Ruhe noch einmal das tolle Essen hier genießen – und werde es auch ausführlich tun. Einige Tipps habe ich ja schließlich
Heute habe ich bereits ein paar Buchungen für Deutschland getätigt. Die Rückkehr in die Heimat ist quasi vor der Tür…
23.06.24 – Tag 190 Rom
Mein letzter voller Tag in Rom. Nach den letzten beiden Tagen und den letzten sechs Monaten streiken meine Füße. Daher ging es heute nur ganz gemütlich auf Erkundungstour und ab Nachmittag heißt es zumindest wieder kurz die Beine hoch. In den vergangenen sechs Monaten habe ich immerhin rund 2,5 Millionen Schritte zurückgelegt.
Heute ging es nach etwas längerem Schlafen nochmals in den Vatikan. Es ist Sonntag und es war recht voll und die Kontrollen deutlich verschärft. Allerdings warteten die meisten bereits draußen, so ging es zügig in den Petersdom hinein. Hier lief grad die Sonntagsmesse. Von innen wirkt der Dom noch prunkvoller als von außen. Ob das unbedingt schön und zeitgemäß ist, sei jedem selbst überlassen.
Schließlich wartete ich wie viele andere auf zwölf Uhr. Denn dann zeigt sich der Papst traditionell am Fenster, spricht ein Gebet, hält eine Rede und gibt den Segen Urbi et Orbi – der Stadt und dem Umkreis.
Von hier aus zog ich vom Papst gesegnet weiter nach Trastevere. Ein tolles Viertel mit vielen Bars und Restaurants. Dort soll es eine der besten Carbonaras geben. Das wollte ich natürlich probieren… „e una Coca Cola“, um das Klischee auch zu erfüllen. Es war extrem lecker.
Zurück in Deutschland muss ich die Pfunde der Reise definitiv wieder runtertrainieren und vor allem wieder bewusster für mich und das Klima auf nachhaltige und vegetarische Kost wechseln. Die Reise hinterlässt ihre Spuren
Prag
24.06.24 – Tag 191 Transfer/ Prag
Es ist ein besonderer Tag. Ich bin meinen letzten Flug angetreten und bin schließlich erstmalig wieder in einem Nachbarland unterwegs. Ahoj Praha!
Es war nur ein recht kurzer Flug von rund zwei Stunden. Aber es zog sich naturgemäß hin. In Prag dann schließlich angekommen, wurde ich fast Opfer der Abzocke mit dem Taxi. Aber dafür bin ich mittlerweile zu lange unterwegs – alles gut.
In Prag selbst bin ich unweit der Altstadt. Und genau dahin zog es mich auch direkt, immerhin ist es die letzte UNESCO-Stätte meiner langen und weiten Reise.
Ich fühle mich hier auf Anhieb wohl. Die Altstadt ist pittoresk und es wird definitiv wieder weniger gedrängelt und geschubst. Und so ein Bier in Prag ist zumindest mal ein guter Start in den Abend. Ich poste jetzt schon einmal, Sightseeing gibt’s dann die kommenden zwei Tage noch einmal. Und ich kann sogar das tschechische Spiel der EM hier mitverfolgen.
25.06.24 – Tag 192 Prag
Das wunderschöne Prag habe ich zu Fuß erkundet. Natürlich habe ich mich auch erst einmal wieder halbwegs ausgeschlafen und dann das – dazugebuchte – Frühstück im Hotel genossen. Es gab endlich mein Käsebrot
Meine Erkundungstour startete ich am tanzenden Haus. Eine kleine Sehenswürdigkeit, aber eine bemerkenswerte Architektur.
Ich schlenderte weiter zur Karlsbrücke, definitiv eine der Hauptattraktionen in der Stadt. Zumindest tummeln sich hier die meisten Touris auf einen Fleck. Prag hat wirklich einige schöne Brücken.
Meine Tour setzte ich an der John Lennon-Wall fort. Sie steht für Frieden und Freiheit und hat viele Grafitti und Beschriftungen. Ein schönes Motto zum Abschluss meiner Reise.
Schließlich setzte ich zu einem letzten anstrengenden Hike an. Ich ging hoch zum Petrin-Aussichtsturm. Natürlich lief ich nicht den einfachen, sondern den fordernden Querfeldein-Weg. Warum bloß…? Oben angekommen war es weniger spektakulär und auf den Turm wollte ich nicht rauf. Eintritt und nochmals Stufen. Aussicht auf Prag gab es an anderen Stellen gratis.
Zum Beispiel an der Burg. Und die dortige Anlage war zudem noch sehr schön und bot Entspannung und Ruhe.
Meine nächste Station war der Wenzelsplatz. Viele historische Ereignisse spielten sich hier ab. So dann auch eines für mich ganz persönlich: Ich erreichte meinen letzten Spot auf der Weltreise, den ich mir auf Google markiert hatte. Puh… durchschnaufen, dieser Moment ist nun also da.
Ich genoss dort noch traditionelles tschechisches Gulasch im Brot und machte mich dann auf den Weg zur Unterkunft. Meine Füße wollen eine kurze Pause.
Mittlerweile höre ich schon fast nur noch Deutsch. Auch im Restaurant werde ich mitunter auf Deutsch bedient. Ich spüre die Nähe.
Morgen habe ich noch einen letzten vollen Tag hier. Ich werde ihn ganz in Ruhe verbringen. Prag ist wirklich schön.
26.06.24 – Tag 193 Prag
Der letzte volle Tag meiner Weltreise. Das heutige Posting halte ich recht kurz.
Ich verweilte ein wenig in der Altstadt nachdem ich noch kurz einen Bogen über das Denkmal der Opfer des Kommunismus machte. In der Altstadt selbst war ich viel auf dem Rathausplatz und bemerkte, wie ich immer wieder in Gedanken versank und resümierte. Ein Wasser, das mich an einen anderen Teil der Weltreise erinnerte, weckte die Sehnsucht, das Fernweh… Ich ließ es zu, dass die Gedanken kreisten.
Zurück im Hier und Jetzt gönnte ich mir noch ein letztes Mal regionale Speisen: Ein Trdelnik und ein Gulasch.
Ich organisierte noch ein paar Dinge für die Rückkehr bzw. optimierte vor allem den Mietwagen ab morgen. Ich genieße nun die letzten Stunden, ohne zu protokollieren und werde heute Abend noch das Tschechien-Spiel hier in Prag gucken. In aller Ruhe. Morgen gibt’s dann ein letztes Posting zur Reise.
27.06.24 – Tag 194 Prag/ Transfer
Der letzte Tag
Der finale Vorhang fällt. Ich kehre zurück nach Deutschland.
Der Morgen begann noch einmal mit einem Frühstück im Prager Hotel. Meine Sachen hatte ich ja schon gestern weitgehend gepackt.
Mit einem Uber ging es dann noch einmal durch die Stadt hin zum ZOB. Dort stieg ich dann in den FlixBus um. Dieser wird mich nach Nürnberg bringen. Um 12:58 war es dann so weit: Ich bewegte mich wieder auf deutschem Boden. Die Grenze zu Bayern ist passiert.
Ich werde mir in Nürnberg einen Mietwagen holen und über einen kleinen Umweg noch nicht direkt nach Hause fahren. Die Weltreise an sich ist nun Geschichte. Ich kann auf eine wundervolle Zeit zurückblicken.
Der allerletzte Tag – die Weltreise ist vorbei. Ein großartiges und spannendes Kapitel in meinem Leben schließt sich. Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt und konnte so vieles sehen und erleben, wovon ich bisher nur geträumt hatte.
Ich habe alle Kontinente besucht (außer Antarktis) und (fast) alle Kulturkreise besucht. Ich bin einmal um den Globus geflogen und habe dabei in 194 Tagen 22 Länder besucht. 43 Flüge habe ich gehabt und 8 Mietwagen, zudem unzählige Taxi- und Bahn- bzw. Busfahrten. Ich wohnte in 85 Unterkünften und bin insgesamt rund 2,5 Mio. Schritte, also rund 2.000km – vergleichbar mit der Strecke Hamburg bis Rom – gelaufen, um die Schönheit dieser Welt in all ihren Facetten zu sehen und zu erfahren.
27 UNESCO-Stätten habe ich erkundet. Darunter waren fünf Weltwunder: Die Pyramiden als einziges antikes und vier neue Weltwunder. Ich durfte viele exotische Tiere sehen und konnte mich mit Menschen aus aller Herren Länder connecten und mit ihnen interessante Gespräche führen. Es war einfach unglaublich schön, inspirierend und bereichernd.
Wenn mich jemand fragt, wo ich war und was ich gesehen habe, bin ich geneigt, zu sagen, dass ich die ganze Welt gesehen habe. Ich habe wirklich Vieles gesehen. Zeichnete ich aber meine Route mit meinem Sichtfeld in einer Weltkarte in einem gewöhnlichen Atlas ein, so wäre es nicht mehr als eine Haarlinie mit einem sehr dünnen Stift. Um einen Edding zu nutzen, müsste ich schon meine Wohnzimmerwand mit einer Karte tapezieren. Die Welt ist riesig und niemand wird jemals alles sehen können. Die Welt ist aber auch enorm vielfältig, bunt und auch komplex. Und niemand wird sie jemals komplett begreifen können, schon gar nicht darüber richten können.
Meine Weltreise ist vorbei, jedoch nur der Teil, in dem ich von Ort zu Ort ziehe. Ich bin gewachsen auf dieser Reise, denn Reisen bildet ungemein. Meine innere Reise wird noch weitergehen.
Ich werde nicht mehr täglich berichten, ich kehre zurück in den Alltag. Ich kehre aber anders zurück. Und wie ich hier und da schon anklingen lassen habe, habe ich mir sehr viele Notizen gemacht. Aus diesen Notizen werde ich Geschichten machen. Daran möchte ich euch auch weiterhin teilhaben lassen und auch Videos erstellen. Zunächst aber muss ich nun alles sacken lassen und selbst verdauen. Ich möchte Euch aber auch danken, dass Ihr meine Geschichten bis hierhin verfolgt und mich auf der Reise begleitet habt.
Wir sehen und lesen uns in Kürze in den Fazits und Videos. Bis dahin… macht’s gut.